Die Vorstandsvorsitzenden und Geschäftsführer des AGFW:  

2018 - heute
Dr. Andreas Cerbe, RheinEnergie AG   

2013 - 2018
Udo Wichert, STEAG Fernwärme GmbH   

2007 - 2013 
Dipl.-Ing. Stephan Schwarz, Stadtwerke München GmbH

2003 - 2007    
Dipl.-Ing. Wolf-Dietrich Kunze, Vattenfall AG, Berlin 

1999 - 2003    
Dipl.-Ing. Jürgen Kirchhoff, Stadtwerke Rostock AG 

1991 - 1999    
Dipl.-Phys. Karl Otto Abt, Stadtwerke Düsseldorf AG 

1978 - 1991    
Prof. Dr. Gerhard Deuster, EVO-Oberhausen AG  

1971 - 1978    
Dipl.-Ing. Dr.-Ing. h.c. Hans-Peter Winkens, Stadtwerke Mannheim AG

2003 - heute    
Dipl.-Ing. Werner R. Lutsch

1976 - 2002    
Dipl.-Ing. Hans Neuffer 

1971 - 1976    
Dipl.-Ing. Franz-Josef Mölter

Das letzte Jahrzehnt

Eine Jugendbewegung aus Schülern und Studenten tritt in Erscheinung, welche sich für umfassende, schnelle und effiziente Klimaschutzmassnahmen einsetzt. Gallionsfigur ist die junge Schwedin Greta Thunberg.

Nach dem Kernenergieausstieg sollte nun als weiterer Baustein der Energiewende auch der Kohleausstieg kommen. Die Bundesregierung setzte 2018 die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ (KWSB) ein, die aus ganz unterschiedlichen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Umweltverbänden, Gewerkschaften sowie betroffenen Ländern und Regionen bestand. Ziel war es, einen Interessensausgleich herbeizuführen und einen gesellschaftlichen Konsens über die Umsetzung des energie- und klimapolitisch begründeten Kohleausstiegs und des damit verbundenen Strukturwandels in Deutschland aufzuzeigen. Bei Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) empfahl die Kommission, den Umstieg von Kohle auf Gas attraktiver zu gestalten und KWK-Anlagen zu flexiblen Strom-Wärme-Systemen weiterzuentwickeln. Der Abschlussbericht lag am 31. Januar 2019 vor. Das Ende der Kohleverstromung in Deutschland sollte bis spätestens 2038 gelingen. Die Fernwärmebranche ist davon betroffen.

Vom 17.-19. April fand die "EnEff" – die 23. Internationale Fachmesse und Kongress für Wärme, Kälte und KWK statt. Es sollte vorerst die letzte Fachmesse der langen Tradition sein.

Die Bundesregierung hat am 29. Januar 2020 das Gesetz zur Reduzierung und zur Beendigung der Kohleverstromung und zur Änderung weiterer Gesetze (Kohleausstiegsgesetz) beschlossen. Das Gesetz wurde am 3. Juli 2020 von Bundestag und Bundesrat verabschiedet.

Regenerative Energien sind mittlerweile ein zentraler Baustein der Fernwärmebranche für die zukünftige Gestaltung des Fernwärmesystems. Der AGFW ist seit Jahren ein Treiber für den Ausbau der Wärmenetze zum Einsatz der Regenerativen Energien, ohne dabei die Energieeffizienz in Form der KWK zu vergessen. Vielfältige Aktivitäten in allen Bereichen zeigen dies deutlich auf. Der Statusworkshop „Solarthermie in der Fernwärme“, zu dem das Bundeswirtschaftsministerium am Rande des Dresdener Fernwärmesymposiums im September eingeladen hatte, markiert einen Meilenstein. 200 Teilnehmer – darunter zwei Drittel von Wärmeversorgern – zeigten deutlich, dass die Solarthermie als CO2-freie Erzeugungsoption inzwischen in der Fernwärmebranche angekommen ist.

Zur Eröffnung des Dresdner Fernwärme-Kolloquiums hat der AGFW Herrn Prof. Dr.-Ing. habil. Achim Dittmann die „μ gesamt“-Ehrenmedaille der Branche verliehen. Der Preis ehrt die Preisträger für die besonderen Verdienste in der Tätigkeit zur Förderung der Energieeffizienz durch Fernwärme und Kraft-Wärme Kopplung. Der Preis ist verbunden mit der Ehrenmitgliedschaft im AGFW. Prof. Dr.-Ing. habil. Achim Dittmann wurde für sein Lebenswerk geehrt. Ein Lebenswerk für die Lehre, für eine Branche, für seine Studenten, für das Thema Thermodynamik, der Umwandlung von Wärme in andere Energieformen, verbunden mit dem Begriff Wirkungsgrad.

Mit der veröffentlichung der 40/40 Strategie setzt der AGFW konsequent das Branchenkonzept für die Wärmewende um. In Anlehnung an das 70/70-Konzept werden nun auch alle Kommunen und Städte bis zu einer Einwohnergröße von 5.000 betrachtet. Ziel war es, einen Fahrplan zur Erreichung der gesteckten klimapolitischen Ziele zu geben.

Das Fitnessprogramm zur energieeffizienten Stadt in Thüringen startet im Januar mit einer Vereinbarung zur Verbesserung der Energieeffizienz in Stadtquartieren im Rahmen der Initiative Energetischer Stadtumbau 2025 in Thüringen mit dem Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr (TMBLV). Es soll einen effizienten und wirksamen Prozess zur Umsetzung der Energiewende in Thüringen geschaffen werden. Es ist der erste Impuls für die zukünftige Fernwärme und KWK EFRE-Förderung in den Bundesländern.

Im Rahmen der 21. Fachmesse „Energieeffizienz 2014“ und des AGFW-FachDialogs vom 6. bis 8. Mai in Köln wurde in der 44. Mitgliederversammlung am 6. Mai 2014 die Stadtwerke Böblingen GmbH & Co. KG als 500stes AGFW-Mitglied begrüßt. Dr. h.c. Petra Roth erhält den 4. Eta Energieeffizienzpreis der Branche.

Die erste umfassende und rechtsverbindliche weltweite Klimaschutzvereinbarung, das sogenannte „ Pariser Klimaschutzabkommen“, wurde im Dezember 2015 beschlossen. Es gibt einen globalen Rahmen vor, wodurch die Erderwärmung deutlich unter 2°C gehalten werden soll; der Temperaturanstieg soll durch weitere Maßnahmen auf 1,5°C begrenzt werden. Die EU hat das Übereinkommen am 5. Oktober 2016 formell ratifiziert. Somit konnte es am 4. November 2016 in Kraft treten.

AGFW veröffentlicht die vielbeachtete 70/70 Strategie. Ziel der Studie war und ist es, der Politik und Gesellschaft die Möglichkeiten der Energiewende mit dem Wärmemarkt zu verdeutlichen. Im Mittelpunkt der Betrachtung standen dabei die 70 größten Städte Deutschlands.

Der Parlamentarische Prozess der KWKG-Novellierung begann Anfang März im Bundestag, wo sich alle Parteien für eine Novellierung aussprachen. Es folgte im zweiten Halbjahr die Vorlage eines BMWi- Referentenentwurfs zum KWKG 2016 welcher der Bundestag am 3. Dezember zustimmte.

Für Projekte mit Fernwärme und KWK auf Quartiersebene wurden in Sachsen 120 Millionen Euro der EFRE-Förderung für Integrierte Stadtentwicklung zur Verfügung gestellt.

Eigentlich sollte das novellierte KWKG zu Beginn des Jahres in Kraft treten. Es folgte ein lange „Hängepartie“ um das KWKG und die fraglich notwendige Beihilfeentscheidung der EU-Kommission. Die Novellierung wurde so zur unendlichen Geschichte. Dies machte es der KWK-Branche schwer, vorausschauend zu handeln. Der Bundestag beschließt daraufhin das Inkrafttreten des KWKG-Änderungsgesetzes zum 1. Januar 2017.

Die EnEff – 22. Internationale Fachmesse und Kongress für Wärme, Kälte und KWK fand vom 19. bis 21.04.2016 zum ersten Mal in Kooperation mit dem europäischen Verband Euroheat & Power (EHP), Brüssel, in Frankfurt am Main statt. Rund 400 Kongressteilnehmer, 130 Aussteller und 2.400 Fachbesucher aus über 20 Ländern bildeten eine beindruckende Plattform zur Energieeffizienz mit Fernwärme und KWK. Ein Internationaler Städtekongress zur Fernwärme und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mit hochkarätiger internationaler Besetzung war Teil der Gesamtveranstaltung. Ein besonderes Highlight war die Verleihung des 5. AGFW-Ehrenpreises verbunden mit der AGFW-Ehrenmitgliedschaft an den ehemaligen Bundesumweltminister und Exekutivdirektor der UN-Kommission für Nachhaltige Entwicklung – UNEP Prof. Dr. Dr. mult. Klaus Töpfer.

Das Jahr 2012 stand für den AGFW ganz im Zeichen der KWKG-Novellierung. Dabei kann der AGFW für die Branche mit den wesentlichen Forderungen zu Wärmenetzen und Speichern punkten. Auch die Anhebung der Fördersätze zeigte den Stellenwert der KWK. Mit dem Beschluss der Novellierung des Gesetzes durch den Bundestag und Bundesrat wurde die Erfolgsstory KWKG positiv fortgesetzt - das nun mit Abstand beste KWK-Gesetz seit 2002 stand der Branche zur Verfügung.

Über 320 Tagungsteilnehmer, 150 Aussteller und 2.200 Fachbesucher aus 14 Ländern bildeten vom 17. bis 19. April 2012 in Erfurt auf der Tagung und Fachmesse Energieeffizienz „En+Eff“ eine einzigartige Plattform für die Branche.

Der AGFW e. V. verlieh Dr. rer. pol. Volker Hauff, Bundesminister a. D. und Vorsitzender des Rates für Nachhaltigkeit (2001-2010) sowie Mitglied der Ethikkommission, für seine Verdienste zum Ausbau der KWK und Nah- und Fernwärmesysteme den zweiten AGFW-Ehrenpreis.

Der AGFW beschreitet weiter den Weg der Internationalität. Unternehmen aus sieben Europäischen Ländern sind Mitglieder des Verbandes. Über ein MOU zur Kooperation mit dem amerikanischen Schwesterverband IDEA wird die Normungs- und Politikarbeit auf eine breite Basis gestellt. Mit der Unterzeichnung des Zusammenarbeitsvertrages mit den Estnischen Kollegen kommt ein weiteres europäisches Land zum AGFW hinzu, das das Regelwerk zu 100 % mit eigener Übersetzung nutzt.

Im Juli wird die AGFW/BDEW-Studie zur Rolle der KWK in einem zukünftigen Energieversorgungssystem veröffentlicht. Demnach ist die KWK zur Erreichung der energiepolitschen Ziele nicht nur unverzichtbar, sondern bietet in einem zunehmend von fluktuierenden erneuerbaren Energien geprägten Stromsystem langfristig ein signifikantes und sinnvolles Potenzial zur Strom- und Wärmeerzeugung. Auch der Wärmenetzausbau nimmt Fahrt auf. Mit dem KWKG kommt es zu einer Verdopplung der Anträge im Vergleich zum Vorjahr und einer Fördersumme, die zum ersten Mal die 100 Mio. EUR Marke überschreitet.

Im Oktober beschloss das Bundeskabinett in seiner letzten Sitzung in alter Zusammensetzung die Energieeinsparverordnung (EnEV) und würdigt mit seiner Festlegung die Rolle der KWK im Wärme- und Strommarkt.

Bei den Berliner Energietagen stellt AGFW das Thema Transformationsstrategien der Fernwärme, Solare Wärme und Thermische Energiespeicher vor und ist im Thema „Städte und Ballungsräume als Schauplatz der Energiewende“ vertreten.

Herr Prof. Dr. Ing. habil. Herbert Munser wird zu seinem 80 Geburtstag für seinen Einsatz für Fernwärme und Energieeffizienz mit der 3. μ-Ehrenmedaille des AGFW ausgezeichnet.

Ein Erdbeben mit dem daraufolgenden Tsunami am 11. März 2011 setzte die Sicherungssysteme gleich mehrerer Atommeiler im japanischen Fukushima außer Kraft. In den Blöcken 1 bis 3 setzte eine Kernschmelze ein, radioaktives Material wurde freigesetzt. Die Bundesegierung beschloss daraufhin am 14. März 2011 alle 17 deutschen Atomkraftwerke einer Sicherheitsprüfung zu unterziehen und die sieben ältesten Kraftwerke drei Monate lang stillzulegen. Danach ging alles sehr schnell.

Mit der durch das Bundeskabinett am 6. Juni 2011 beschlossenen Energiewende zur Erreichung der klimapolitischen Ziele und dem schnellen Atomausstieg wurde eine Reihe von Einzelmaßnahmen durch die Bundesregierung beschlossen. An den Zielen, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 40 und bis 2050 um mindestens 80 Prozent (im Vergleich zu 1990) zu senken sowie bis 2020 den Anteil an erneuerbaren Energien am Stromverbrauch auf mindestens 35 Prozent zu erhöhen (von 17 Prozent 2011), wurde festgehalten. Neben den erneuerbaren Energien nimmt die Kraft-Wärme-Kopplung darin eine exponierte Stellung ein.

Nach Einschätzung der damaligen Bundesregierung könnten die Ausbauziele für die erneuerbaren Energien nur erreichbar sein, wenn sich Anlagen zügig und unbürokratisch planen und genehmigen lassen. Das neue Planungsbeschleunigungsgesetz sollte dazu beitragen, den Bau von Solaranlagen an und auf Gebäuden zu erleichtern. Außerdem können nun Flächen für die Erzeugung, Verteilung, Nutzung oder Speicherung von Strom, Wärme oder Kälte aus erneuerbaren Energien oder Kraft-Wärme-Kopplung gezielt in Bebauungsplänen ausgewiesen werden. Ein wichtiger Schritt „zur Stärkung der klimagerechten Stadtentwicklung in den Gemeinden“.

Jubiläumsfest am 40. Gründungstag in Berlin

Zukunftsorientiert, effizient, modern, international, wettbewerbsfähig, politisch gut vernetzt und oftmals anders als andere agierend! So feierten die Mitglieder des AGFW den vierzigsten Jahrestag seiner Gründung am 27. Oktober mit Vertretern aus Politik, Ministerien, Wirtschaft, Sport und Kultur. Den rund 180 Gästen wurde ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Programm im Festsaal des Roten Rathauses am Alexanderplatz, im Herzen von Berlin, geboten. Besondere Emotionen wurden sichtbar, als Prof. Klaus Traube für seine Verdienste für KWK und Energieeffizienz mit der ersten AGFW-Medaille „eta-gesamt“ Energieeffizienz = höchster Gesamtwirkungsgrad geehrt wurde. Die Mitgliederversammlung wählte ihn ebenfalls zum ersten Ehrenmitglied des AGFW. Die Laudatio hielt Rolf Hempelmann MdB, Energiepolitischer Sprecher der SPD. Ein Hauch von Hollywood kam auf, als der Präsident des ältesten Fernwärmeverbandes, der amerikanische IDEA, Robert P. Thornton, seinem jüngeren Bruder und Geschäftspartner, dem AGFW herzlich gratulierte. Bereits am 5. April wurden mit vielen Kollegen der Branche unter dem Motto „Realität Energieeffizienz – 40 Jahre AGFW“ in Frankfurt, in unmittelbarer Nähe zum HKW West, die Feierlichkeiten eingeläutet.

Die neuen alten Herausforderungen

Klimawandel, exorbitante Öl- und Gaspreise sowie immer größer werdende Abhängigkeiten bei der Primärenergieversorgung zwingen Politik, Unternehmen und Verbraucher zum Umdenken. Energieeinsparung, Energieeffizienz und regenerative Energien stehen von nun an im Mittelpunkt der Enegiediskussion und der politischen Zielsetzung. Nah- und Fernwärmesysteme, KWK und Kälteversorgung gelten von nun an als wesentliche strategische Option der Energieversorgung in Deutschland.   

Mit der parlamentarischen Verabschiedung des ersten Teils des „Integrierten Energie- und Klimaprogramms“ der Bundesregierung im Sommer 2008 wurden erste weitreichende Eckpunkte verankert. Es sind dies: die Novellierung des KWKModGesetz, das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG und das Erneuerbaren-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG). Weitere kleinere Gesetze und Marktanreizprogramme unterstützen die Entwicklung.

Das neue Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz wurde im Juni durch den Bundestag verabschiedet und Ende Oktober 2008 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Es trat am 1. Januar 2009 in Kraft. Damit endete eine mehr als zwei Jahre andauernde Kraftanstrengung für die Branche und den AGFW mit einem großen Erfolg und wichtigem Meilenstein. Denn erstmalig seit den ZIP- und Fernwärmesanierungsprogrammen wurde im KWKG auch der Neu- und Ausbau von Wärmenetzen gefördert. Gleichzeitig begann eine noch größere Herausforderung: die der Umsetzung. 

Der AGFW hat wie kein anderer Verband alle Initiativen mit fachlichem Know-how, Gutachten und Stellungnahmen aktiv, zum Teil federführend, begleitet.

Immer dem Ziel der Steigerung der Energieeffizienz durch Nah- und Fernwärme mit KWK näher zu kommen, den Grundsätzen der Satzungsväter verpflichtet:  
Der AGFW hat die Aufgabe, die Versorgung mit Nah-/ Fernwärme und Kälte zu fördern, (...) insbesondere die Belange der Kraft-Wärme Kopplung. 

Dem verpflichtet war es auch ein Jahr der weitreichenden Entscheidungen für den AGFW als Verband.  Auf der Mitgliederversammlung am 9. April 2008 sprachen sich knapp 90 % der Mitglieder für die Unabhängigkeit ihres AGFW aus. Die Mitgliederversammlung beschloss mit 583 Stimmen bei 54 Gegenstimmen und 12 Enthaltungen, der Empfehlung des Vorstandes zu folgen, nach sechs intensiven Verhandlungsrunden mit dem BDEW, sorgfältiger Auswertung der Verhandlungsergebnisse und unter Berücksichtigung der Ergebnisse der erweiterten Beiratssitzung nicht mit dem BDEW zu fusionieren. Die Verhandlungsergebnisse entsprachen nach Ansicht des Vorstandes weder inhaltlich den AGFW-Forderungen noch konnten sie formalrechtlich in der vom BDEW geforderten Form umgesetzt werden. Das klare Votum zeigt deutlich das neue Selbstverständnis, die Energie und Weitsicht der Wärme-, Kälte- und KWK-Branche in Deutschland. Dies ist nach über 37 Jahren des Zusammenwirkens mit dem VDEW (jetzt BDEW) in einem erfolgreichen Dach-/Fachverbandsmodell eine neue Herausforderung und die Entwicklungschance für den AGFW. Dass dies auch von der Politik gefordert wurde, zeigte die Grußbotschaft von Dirk Becker, MdB, Berichterstatter für Kraft-Wärme-Kopplung der SPD-Fraktion. Er erklärte: "Wegen der guten Erfahrung begrüße ich ausdrücklich, dass der AGFW uns auch weiterhin in Form eines selbständigen Verbandes als sachverständiger Berater zur Verfügung steht".

Gleichzeitig wurde auch die Änderung des Vereinsnamens in

„AGFW | Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V.“

beschlossen sowie ein neues, das heute gut bekannte und moderne Logo präsentiert. Der Markenname „AGFW“ blieb für die Branche erhalten.

Am 23. Januar 2008 hat die Europäische Kommission ein Klimaschutzpaket vorgestellt. Es wurden verbindliche Ziele für die Senkung von Treibhausgasemissionen und den Anteil erneuerbarer Energien vorgelegt. Ein Hauptbestandteil des Klimapakets ist die Reform des Emissionshandels in der EU, der grundlegend reformiert wurde. Dies betraf auch in vielfältiger Form die Fernwärmebranche. Mitte 2009 wurden nach einem kurzen EU-Gesetzgebungsverfahren die Richtlinien über Erneuerbare Energien und die dritte Phase des europäischen Emissionshandels im Amtsblatt der EU veröffentlicht.

Am 9. Oktober 2009 bekam die Fernwärmebranche eine neue überarbeitete Dachmarke „Fernwärme“. Als Wort- und Bildmarke „ fernwärme rein ins haus“ und dem Slogan „darum fernwärme“ sollte die Fernwärme beim Endkunden deutlicher platziert werden.

Die AGFW-Fachmesse „Fernwärmetechnik“, seit 1974 der Messetreffpunkt, startet vom 27.-29. April 2010 ersmals zusammen mit der ENKON dezentral unter dem Namen „En+Eff“. Als Gast dabei war die WTT-Expo. Mit 500 Tagungsteilnehmern, 4.700 Fachbesuchern und 300 Ausstellern war es die bislang größte Branchenveranstaltung der Geschichte weltweit. 

Nach den österreichischen und niederländischen Versorgern ist nun auch die Schweiz mit den Industriellen Werke Basel (IWB) als ordentliches AGFW Mitglied vertreten.

AGFW setzt Zeichen

Die von den großen Verbundunternehmen Ende 2005 geforderte Restrukturierung der Energieverbände begleitete die AGFW von Anfang an aufgeschlossen. Der während des Prozesses von dem VDEW geforderten Integration und de facto Zerschlagung der AGFW in den 2007 neu aus VDEW und dem Bundesverband des Gas- und Wasserfaches e.V. (BGW) gegründeten Bundesverband der Energiewirtschaft e.V. (BDEW) mochten die Mitglieder nicht folgen.

Auch die energiewirtschaftlichen Verbände passten sich den zum Teil massiven Umstrukturierungen ihrer Unternehmen an. So brachte sich AGFW 2002 als weiterhin unabhängiger Branchenfachverband in das Dach-/ Fachverbandsmodell der VDEW ein. Der Name wurde in "Arbeitsgemeinschaft für Wärme und Heizkraftwirtschaft - AGFW - e.V. bei dem VDEW" geändert. Die Facharbeit der AGFW war allerdings davon kaum berührt.

Sie war die Grundlage des zum 1. April 2002 in Kraft getretenen und bis heute gültigen KWK-Modernisierungsgesetzes. Sie ist wesentlicher Baustein zum Erhalt der KWK und Fernwärme. Mit dem im Gesetzestext zitierten AGFW Regelwerksbaustein FW 308 "Zertifizierung von KWK-Anlagen - Ermittlung des KWK-Stromes" wurde die Stellung des AGFW als neutraler und unabhängiger Berater in Sache KWK und Fernwärme deutlich.  

Die AGFW hatte zu Beginn des neuen Jahrtausends rund 230 Fernwärmeversorgungsunternehmen und ebenso viele Industrieunternehmen als Mitglieder. Sie repräsentiert seither über 90 % des deutschen Nah- und Fernwärmemarktes.
 

Am 13. Februar 1990 trafen sich acht Mitgliedsunternehmen unter dem Dach der AGFW zu einem Gespräch mit den DDR-Energiekombinaten. Alle Beteiligten zeigten hohes Interesse an einer direkten Zusammenarbeit. Dabei wurde aufgrund der schnellen und weitreichenden Veränderungen in dieser Zeit eine pragmatische und flexible Zusammenarbeit vereinbart. Die Sanierung der vorhandenen Fernwärmesysteme und die Erstellung von Energieversorgungskonzepten bildete den Schwerpunkt.  

Am 5. und 6. Juni 1990 wurde der Schritt der grundsätzlichen Öffnung der AGFW vom Vorstand und der Mitgliederversammlung vollzogen. Noch vor der deutschen Wiedervereinigung war die deutsche Fernwärme-Branche unter dem Dach der AGFW wieder vereint.  

Bereits bei der nächsten Vorstandswahl am 5. Mai 1993 in Köln wurde mit dem Vorstand der Stadtwerke Rostock AG, Dipl. Ing. J. Kirchhoff, das erste ostdeutsche Vorstandsmitglied der AGFW berufen.  

Unter dem Titel „Strategien und Technologien einer pluralistischen Fern- und Nahwärmeversorgung in einem liberalisierten Energiemarkt unter besonderer Berücksichtigung der Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbarer Energien“ konnte die AGFW bereits im Frühjahr 2000 die so genannte KWK-Vorstudie in die energiepolitische Diskussion einbringen. Weitere Bausteine fanden in der „AGFW-KWK-Hauptstudie“ ihre Ergänzung und Fortsetzung.

Wiedervereinigung und Liberalisierung

Die zweite große Herausforderung für den Wirtschaftszweig war seit Ende der neunziger Jahre die Liberalisierung der Energiemärkte. Im Zuge der Gestaltung der europäischen Union sind offene Märkte und gleichberechtigter Marktzugang auch zu wesentlichen Bestandteilen der nationalen Energiepolitk geworden. Hierzu wurden die Binnenmarktrichtlinien der EU für Elektrizität am 19. Februar 1997 und für Gas am 10. August 1998 in Kraft gesetzt. Am 1. April 1998 wurden diese mit der Neuregelung des Energiewirtschaftsgesetzes in nationales Recht umgesetzt. Im Kern wurde die Aufhebung der Gebietsmonopole beschlossen und der freie Netzzugang zur Lieferung an den Letztverbraucher interessierten Anbietern ermöglicht.  

Allerdings hat der sofortige freie Wettbewerb ohne Übergangsfristen und Regelungen zu erheblichen Veränderungen innerhalb der Energiebranche geführt. Vor allem Betreiber mit KWK-Anlagen und kleinere Versorger standen aufgrund bestehender betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge vor teilweise großen Problemen. Verbundinteressen auf der Stromseite trafen dabei wieder auf die Interessen der kommunalen Unternehmen.

Das Fernwärme-Sanierungsprogramm Ost hat den wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der Fernwärme-Systeme in Ostdeutschland unter betriebswirtschaftlichen Erfordernissen geleistet. Vor allem auf ökologischem Gebiet wurde für die gesamte Bevölkerung viel erreicht. Eine spürbare Entlastung der Umweltsituation in den hoch belasteten Innenstädten war die Folge.  

Zum 1. Januar 1990 gründeten die 15 regionalen Energiekombinate den Wirtschaftsverband Energieversorgung WEV. Dieser vertrat die  Energieinteressen - auch die der Fernwärme - der Bezirksenergiekombinate. Insbesondere der Konflikt über die Entflechtung der Energieversorgung zwischen den regionalen Interessen und der kommunalen Stadtwerksgründung stand im Mittelpunkt seiner Arbeit. Mit der Integration der Fernwärmeversorger in die AGFW löste sich dieser Zusammenschluss 1991 auf.   
 

Elf Monate nach dem Fall der Mauer und 41 Jahre nach der deutschen Teilung war es endlich soweit. Am  3. Oktober 1990 waren beide deutsche Staaten wieder vereint. Dies bedeutete auch für die deutsche Fernwärmebranche einen enormen Aufschwung und gleichzeitig eine ihrer größten Herausforderungen.

So war die erste Hälfte des Fernwärmejahrzehnts ab 1990 geprägt von dem Sanierungsbedarf der Fernwärme-Systeme in Ostdeutschland. Dies waren vor allem die Erstellung von Energiekonzepten, der Aufbau von kommunalen und regionalen Unternehmen, die wettbewerbsmäßige Ausrichtung nach marktwirtschaftlichen  Gesichtspunkten, der Ausbau der Vertriebsaktivitäten, die Sanierung, Modernisierung bzw. das Ersetzen der alten Erzeugungsanlagen (Schwerpunkt: Kraft-Wärme-Kopplung), das Ablösen veralteter Dampfnetze und der Umbau und die Sanierung von Kundenanlagen.  

Diese Fülle an Aufgaben im Sanierungsbedarf hatte erhebliche Investitionen zur Folge, die vor allem die neu gegründeten Unternehmen kapitalmäßig überfordert hätten. Die notwendige Anschubfinanzierung wurde durch ein von der AGFW initiiertes 1,2 Milliarden DM umfassendes Fernwärmesanierungsprogramm von Bund und Ländern bereitgestellt. Grundlage war dazu die Mitte 1990 veröffentlichte Analyse zur Situation des Sanierungsbedarfs der Fernwäme und Heizkraftwirtschaft in der Noch-DDR.

Die AGFW wird gegründet

Diese große Aufgabe wurde 1974 vom damaligen Bundesforschungsminister Matthöffer an die AGFW herangetragen. Es wurde eine umfassende Studie zur Fernwärme, die sog. „Gesamtstudie Fernwärme“ in Auftrag gegeben. Aufgabe war es, einen Wärmeatlas der Bundesrepublik abzubilden und die Anwendungsmöglichkeit der Fernwärme aus wirtschaftlicher, ökologischer und volkswirtschaftlicher Sicht aufzuzeigen. Die Ergebnisse der Studie zeigten Ausbaupotentiale an, die im Hinblick auf den gewünschten forcierten Ausbau der Fernwärmeversorgung in den 70er und 80er Jahren durch zwei Investitionsprogramme (ZIP 1 und ZIP 2) unterstützt wurden. Die 730 und 1.200 Mio. DM an Fördervolumen lösten dabei 5,4 Mrd. DM an Investitionen aus und setzten einen massiven Ausbau der Fernwärmeversorgung in Westdeutschland in Gang.  
 

Am 27. Oktober 1971 war es dann soweit. In Bad Pyrmont wurde im Beisein von mehr als 80 Teilnehmern die Arbeitsgemeinschaft Fernwärme - AGFW - e.V. bei der VDEW gegründet. Die Unternehmen der 47 Gründungsmitglieder lieferten rund 75% der gesamten Fernwärmeabgabe in der Bundesrepublik Deutschland. Die ersten Vorstände unter dem Vorsitz von Hans-Peter Winkens (Mannheim) waren die Herren Brachetti (Hannover), Deuster (Oberhausen), von Gersdorff (Berlin), Haager (Frankfurt), Malina (Dinslaken) und Witt (Hamburg).  

Hauptaufgaben waren weiterhin die Bearbeitung der technisch-wirtschaftlichen Fragen, die in Ausarbeitungen und Richtlinien der Branche zur Verfügung gestellt wurden. Bis heute stellen diese die Basis des Wirkens der AGFW dar. Aber auch die Interessenvertretung der Branche nach aussen, insbesondere in Richtung Politik, sollte von nun an ein wesentlicher Baustein der Arbeit der AGFW sein. Mit der gleichzeitigen Herausgabe der Fachzeitschrift „Fernwärme international“ (heute: EuroHeat&Power) wurde die Kommunikation sichergestellt.  

Die Bewährungsprobe der AGFW kam kurze Zeit später mit der ersten Energiekrise. Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und die Fernwärme standen im Blickfeld der nationalen Energiepolitik. 

Der Ölschock

Einer der wohl einschneidendsten und mit den Auswirkungen bis heute noch nachhaltig spürbaren Tage für die Energieversorgung im letzten Jahrhundert war der 6. Oktober 1973. An diesem Tag griffen Ägypten und Syrien Israel an. Am 17. Oktober, noch während des so genannten Jom Kippur-Krieges, drosselten die arabischen Länder ihre Rohölproduktion. Öl als Rohstoff wurde somit weltweit zur politischen Waffe.   

Der Ölpreis wurde innerhalb kürzester Zeit um über 200 % erhöht. In den Industrienationen wirkten die Lieferbeschränkungen und Preiserhöhungen wie ein Schock und zeigten gleichzeitig die Abhängigkeit „großer“ Volkswirtschaften schonungslos auf. Man suchte nach Alternativen. Insbesondere der öffentliche Versorgungsbereich bot sich an, die strategischen Weichenstellungen zur Verringerung der Abhängigkeiten von ausländischen Rohstoffen umfassend umzusetzen. 

So rückten die Kernkraft und die heimische Stein-/Braunkohle für die Stromversorgung in den Blickpunkt der Energiepolitik. Für den Wärmemarkt wurde Erdgas in der Fläche und die Fernwärme (mit ihren Möglichkeiten zum Einsatz der heimischen Steinkohle, aber auch der schnellen Diversifizierungsmöglichkeit zu anderen Primärenergieträgern) in den Städten zu einer zentralen Option. Die zweite Ölpreiskrise von 1978 bestätigte dies nachhaltig.  

Für die DDR waren in dieser Zeit die importierten Mengen an Rohöl nicht mehr bezahlbar. Zunächst wurde die Möglichkeit geprüft, ein weiteres Gaskombinat aufzubauen, um zusätzliche Braunkohlemengen zu veredeln. Allerdings erwiesen sich die Gasleitungen - die seit 1939 nicht mehr ausreichend gewartet wurden - als Schwachstelle. Als Alternative sah man die Umstellung auf Rohbraunkohlefeuerung. So wurden mehr als 108 Milliarden Mark - die Hälfte davon in Devisen - für die Umstellung der Kraft- und Heizkraftwerke aufgewendet, zumal man gleichzeitig ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm auflegte. So wurde in den 70er und 80er Jahren die Fernwärme der Hauptwärmelieferant der Städte. 

Die Verbände gründen sich neu

Anfang der 70er Jahre drängten vor allem die reinen Fernwärmeversorger, die satzungsgemäß nicht VDEW-Mitglied sein konnten, und die Mitglieder des VDEW Sonderausschusses „Heizkraftwirtschaft“ auf die Gründung eines eigenständigen Fachverbandes mit Bindung zum VDEW. Man konnte, so die Idee, VDEW-Nicht-Mitglieder aus dem Bereich der Versorgung und der herstellenden Industrie in den Erfahrungsaustausch integrieren und die Wärmemarktinteressen, die nicht im Mittelpunkt der VDEW-Aktivitäten standen, wirkungsvoll in der Politik und Öffentlichkeit vertreten.     

Mit der rasanten Entwicklung der KWK und Fernwärmeversorgung in Deutschland in den 50er und 60er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts stieg gleichzeitig auch die Zahl der Fernwärmeversorgungsunternehmen. Die Wärmenetzeinspeisung wuchs zwischen 1950 von 10 PJ/a bis 1960 um das 4-fache. Bis 1970 war es bereits das 11-fache (110 PJ/a).  

Die Verbandsarbeit in Westdeutschland startete unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Ing. habil. E. Schulz (VdTÜV), Essen im AdEW. Sie umfasste alle großen Fernwärmeversorger.  

Zentrale Aufgaben waren dabei: Die Ermittlung der wirtschaftlichen Kostenaufteilung von Strom/Wärme, die Standardisierung der Hausstationen und die Verlegung und den Betrieb der Hausstationen. Aber auch die Weiterentwicklung der Wärmemessung und die Öffentlichkeitsarbeit standen im Mittelpunkt der Arbeiten.  

Verbandsstrukturen im klassischen politischen Lobbying-Sinn gab es nicht. Dennoch fand in der Organisation der „Kammer der Technik (KdT) innerhalb der wissenschaftlichen Sektion ein reger Erfahrungsaustausch statt. Die  Zusammenarbeit im Sektor Fernwärme und Elektrizität war zwischen den Versorgungsunternehmen des öffentlichen Bereiches, den VEB Energiekombinaten, organisiert. Obwohl unter staatlicher Leitung des Ministeriums für Kohle und Energie, konnte eine gewisse Unabhängigkeit in den Unterorganisationen bewahrt werden. Die technischen Fragen wurden dabei in Unterausschüssen wie Netzbetrieb und Anlagenbau in regelmäßigen Treffen erörtert.
 

Die wesentlichen technischen Ergebnisse wurden von nun an in die VDEW-Richtlinien integriert und durch den VWEW-Energie-Verlag publiziert. Bereits 1955 wurde die erste Ausgabe der technischen Richtlinien für den Bau von Fernwärmenetzen herausgegeben. Auch innerhalb der Fachzeitschrift „Elektrizitätswirtschaft“ nahmen die Berichte von Fernwärmeversorgungsunternehmen zu.  

Auch kritische Stimmen gab es zu Beginn. So stellte sich bereits dem AdEW-Unterausschuss die Frage, ob es richtig sei, die Initiative in der Behandlung des Heizkraftproblems auf die AdEW bzw. VDEW zu übertragen. Die Entwicklung gab die Antwort. 

 

Bereits zu Beginn der 50er Jahre veranstaltete die Branche Fachtagungen mit einem regen Erfahrungsaustausch. Die wohl größte Veranstaltung mit über 300 Teilnehmern fand vom 24. - 25. Oktober 1957 in Stuttgart statt. Über 300 in- und ausländische Teilnehmer befassten sich mit den aktuellen Fragen der Fernwärme- und KWK-Versorgung. Sie wurde unter das Motto “Aus der Praxis der Heizkraftwirtschaft“ gestellt.  

Am 19. Mai 1954 wurde auf Betreiben des Pariser Fernwärmeversorgers die Union Internationale des Distributeurs de Chaleur (Unichal) mit Sitz in Paris gegründet. Deutscher Vertreter war die HEW, Hamburg. Die Verbandsarbeit hatte nun auch eine internationale Vertretung.  

Die Struktur der DDR-Energiewirtschaft war aufgebaut auf einer zentralen Wirtschaftsleitung, teilweise hervorgegangen aus der 1947 von der sowjetischen Militäradministration SMAD gegründeten deutschen Wirtschaftskommission DWK. Aus ihr gingen die zuständigen Planungsorgane und Ministerien hervor. 1950/1951 war es das Ministerium für Industrie, später das Ministerium für Kohle und Energie. Dieses hatte die zentrale Rolle für die Energiewirtschaft in der DDR inne.

Mit Gründung des VDEW zum 1. Januar 1951 und der Gründung des Sonderausschusses Heizkraftwirtschaft am 7. Oktober 1951 in München hatte die Sparte Fernwärme und KWK der öffentlichen Versorgung wieder eine einheitliche Branchen-Vertretung. Hauptaufgabe war es, „den Erfahrungsaustausch der Heizkraft- und Heizwerke zu pflegen und besondere Fragen und Probleme in kleinen Arbeitskreisen zu untersuchen“.   

Die Arbeitskreise waren: „Kostenaufteilung Strom/Wärme“, „Richtlinien für den Bau von Hausstationen“, „Wärmetarife und Wärmemessung“, „Rohrverlegungen“ und „Allgemeine Planungsgrundlagen für Städteheizungen“.

Mit dem Wiederaufbau der Städte und der Fernwärmesysteme war der Drang der Unternehmen, aus den Erfahrungen der Kollegen zu lernen, erneut groß. In Westdeutschland wurde am 30. September 1947 die Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände der Elektrizitätswerke (AdEW) gegründet. 

Nachfolgend fand - zunächst auf regionaler und Landesebene - in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft „Heizungs- und Lüftungstechnik des Verein Deutscher Ingenieure" (VDI) ein Informationsaustausch der Fernwärmebetreiber im AdEW statt.

Der Wiederaufbau

Von den 1939 statistisch erfassten 42 Fernheizwerken lagen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 20 Versorgungsunternehmen mit 31 Heizkraftwerken im westlichen Teil Deutschlands. 10 Anlagen standen in der sowjetischen Besatzungszone. Der Wiederaufbau der zerstörten Städte bot die Möglichkeit des verstärkten Ausbaus der Fernwärmeversorgung.  

Dieser verlief zu Beginn in den verschiedenen Teilen Deutschlands sehr unterschiedlich. Während im Osten die sowjetische Besatzungsmacht die Anlagen zum Teil demontierte, begann man im Westen mit dem Neu- und Wiederaufbau der Anlagen.  

So wurde bereits am 11. Januar 1950 in Stuttgart das erste Heizkraftwerk Deutschlands, das HKW Gaisburg, in Betrieb genommen. Vor allem die rationelle Energieverwendung durch den Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung stand, wie bereits nach dem Ersten Weltkrieg, im Vordergrund.  

Das Wirtschaftswunder im Westen und der Wiederaufbau im Osten bescherten auch der Fernwärmeversorgung einen enormen Aufschwung. Eine Vielzahl von Städten entschied sich hauptsächlich in den 50er und 60er Jahren zum Aufbau einer eigenen Städteheizung. Jährliche zweistellige Zuwachsraten des Anschlusswertes waren die Regel. Auch entstanden in Westdeutschland Heizwerke privater Betreiber in den neuen Siedlungsgebieten und stellten eine bislang nicht gekannte Konkurrenz zu den öffentlichen Unternehmen dar.  

Der Fernwärme-Erfahrungsaustausch beginnt

Die Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges machten auch vor der Fernwärmeversorgung nicht halt. Zum Ende des Krieges war die gesamte deutsche Heizkraftwirtschaft und Fernwärmeversorgung zusammengebrochen.  

Namhafte Unternehmen, u. a.  die Fernwärmeversorger aus Berlin, Braunschweig, Bremen, Chemnitz, Forst, Hamburg, Halle, Kiel, Leipzig, Schwerin, Stuttgart, Wuppertal-Elberfeld beteiligten sich an dem regen fachlichen Austausch.  In den kommenden Jahren wurden innerhalb der Facharbeit des Ausschusses „Statistiken“ Tarifsysteme und technische Erfahrungsberichte erarbeitet. Bereits am 20. April 1936 wurden die ersten „Technischen Richtlinien über den Bau von Rohrleitungen für Fernheizanlagen“ im Entwurf veröffentlicht. Dies war die Geburtsstunde des heutigen AGFW-Regelwerkes.

1932 schlossen sich erstmalig die öffentlichen Fernheizwerke zu einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch zusammen. 

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde auch die Verbandsarbeit im Energiesektor „gleichgeschaltet“. Im Rahmen der „ständischen Organisation der deutschen Wirtschaft“ wurde im Juni 1934 die Reichsgruppe Energiewirtschaft R.E.W. gegründet. Die Interessen der Elektrizitäts- und Heizkraftwirtschaft innerhalb dieser Organisation wurden durch die Wirtschaftsgruppe Elektrizitätsversorgung W.E.V. bis 1945 wahrgenommen.

Die erste Fernwärme-Statistik wurde bereits 1928 begonnen und zwischen 1932 bis 1935 in der W.E.V im Unterausschuss für Fernheizwerke erarbeitet. Sie weist 23 Werke von 19 Unternehmen, die im W.E.V. zusammengeschlossen waren, aus. 875 MW Anschlusswert, 163 km Heiznetzlänge und 163 Kunden waren an diese Werke angeschlossen. 15 Werke davon waren Heizkraftwerke.
 

1929 waren in Deutschland bereits 40 Fernwärmeversorgungsanlagen bekannt. In Europa wurden 1930 über 200 Fernheizwerke gezählt, unter anderem in Paris, St. Petersburg, Helsinki und im Vatikan.  

Mit der zunehmenden Entwicklung der Städteheizung, der Auskopplung der Wärme aus bestehenden Elektrizitätswerken kam es zu steigenden Kontroversen innerhalb der Unternehmen. Die „Krise der Fernheizung“ Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung des Strom- und Heizbedarfs während des Tagesverlaufs, wurde durch den verstärkten Bau von zentralen Heißwasserspeichern (meist als Ruth-Speicher) gelöst.

Mit der Errichtung des „Dritten Reichs“ durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 veränderten sich auch Wirtschafts- und Energiebetriebe, die als Schlüsselindustrie galten. Anpassung und Gleichschaltung im Sinne der Diktatur war das erklärte Ziel

Eine rasante Entwicklung beginnt - die ersten Städteheizungen entstehen

Man erinnerte sich wieder an die rationelle Ausnutzung des Brennstoffes innerhalb eines Kraft-Wärme-Kopplungsprozesses. Als Konsequenz wurden in den 20er und 30er Jahren die bestehenden Systeme in großem Umfang erweitert und neue Städteheizungen aufgebaut.

Bereits 1925 trafen sich die deutschen Städteheizer in der Technischen Hochschule in Berlin zu ihrer ersten Tagung. Am 23. und 24. Oktober veranstaltete der Verein Deutscher Heizungs-Ingenieure diesen ersten Erfahrungsaustausch, der sich vor allem mit der Frage der Wahl des „richtigen“ Wärmetransportmediums - „Wasser oder Dampf“ - beschäftigte. Vor allem die Probleme der Messung des Verbrauchs und die damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen bei Messungenauigkeiten wurden kontrovers diskutiert. Übrigens betrug der Teilnehmerbeitrag damals 10 Reichsmark, heute wären dies knapp 30 Euro. 

 

Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges reihten sich München (1901), Karlsruhe (1906), Kiel (1907), Leipzig (1912) und Berlin (1912) als weitere fernwärmeversorgte Städte ein. Durch den Ersten Weltkrieg und die herrschende Mangelwirtschaft stagnierte die Entwicklung. Erst als sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Fernheizbetrieb durch die rasante Verteuerung und den Mangel an Brennstoffen besserten, setzte nach 1920 eine sprunghafte Entwicklung ein.

Der Anfang nahm seinen Anfang! Die deutsche „Städteheizung“ nahm mit der Inbetriebnahme des staatlichen „Fernheiz- und Elektrizitätswerks Packhofstraße“ am 15. Dezember 1900 ihren Anfang. Waren bis zu diesem Zeitpunkt überwiegend die Fernheizwerke zur Versorgung einzelner Gebäude eingesetzt, so wurden in Dresden erstmalig aus einem zentralen Heiz- und Kraftwerk 14 Gebäude mit Wärme und 23 Gebäude mit Elektrizität versorgt. Bauliche Erwägungen wie Architektur und Feuersicherheit bei ausreichender Wirtschaftlichkeit waren die Gründe, diesen Entschluß zu fassen. 

Die Versorger organisieren sich

Bereits 1892, vom 8. bis 10. Juli  im Berliner Terminus Hotel, gründeten 18 Vertreter von 16 deutschen Elektrizitätswerken die „Vereinigung der Elektricitätswerke (VdEW)“. Im Mittelpunkt des Interesses standen dabei der Erfahrungsaustausch und die Erörterung von technischen Fragestellungen. Die Wesentlichste war zu dieser Zeit der „Kampf der Systeme“, auch als „Frankfurter Systemstreit“ bekannt: die Auslegung der elektrischen Anlagen nach Dreh- oder Gleichstromprinzip. Ein Jahr zuvor hatte man auf der ersten Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt am Main diesen Streit zugunsten von Drehstromanlagen entschieden.  

Die Geburtsstunde der Fernheizung

Aus dem 1888 in Hamburg errichteten ersten Elektrizitätswerk in der Poststraße belieferte man 1893 als einzigen Abnehmer das neu erbaute Rathaus mit Wärme. Auch hier wollte man aus sicherheitstechnischen Gründen keine Feuerstelle im Gebäude. Die erste öffentliche Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage Deutschlands war entstanden. 1898 folgte das erste Heizkraftwerk (HKW) Sachsens in Bad Elster zur Versorgung des  Albert-Bades. Eine Idee nahm ihren Lauf.

Ebenfalls in den 70er Jahren des 19. Jh. begann die Entwicklung der ersten größeren Fernheizungen zur Eigenversorgung in Deutschland. Ausgangspunkt waren vor allem die Krankenanstalten, wie z. B. in Andernach, Beelitz, Bonn und Düsseldorf, die aus hygienischen Gründen keine Einzelfeuerstätten in den Krankenzimmern haben wollten. Aber auch die  Blockstationen von Industrieunternehmen waren, wie z. B. 1893 in Kiel, Ausgangspunkt zu ersten Fernwärmeversorgungen an benachbarte Wohngebäude.

Was lag näher, als eine Gesellschaft zum Bau von Fernheizwerken zu gründen, die „Holly Steam-Ltd.“. In den Jahren 1879 bis 1889 wurden bereits Lizenzen für den öffentlichen Fernheizbetrieb in New York erteilt.  Für den Weitblick Mr. Hollys spricht, dass er bereits 1880 ein weiteres Patent auf kombinierten Kraftheizbetrieb mit Zumischung von reduziertem Frischdampf anmeldete. Die erste solche Anlage entstand 1889.

Die Anfänge der öffentlichen Fernwärmeversorgung reichen zurück bis zum Jahre 1876 und wurden in Amerika entwickelt. So kam 1876, also noch vor der ersten öffentlichen Stromversorgung in New York, dem Amerikaner Holly aus Lockport (USA) die Idee, vom Schuppen seines Grundstückes aus sein Wohnhaus und kurze Zeit später auch das Haus seines Nachbarn „fernzuheizen“. Der Versuch funktionierte, und Mr. Holly ließ sich die Idee patentieren. Es dauerte auch gar nicht lange, so hatten sich die Bequemlichkeit, Feuersicherheit und Sauberkeit gegenüber den damaligen Einzelfeuerstellen herumgesprochen, und schon nach einem Jahr wurde eine größere Anzahl von Wohn- und Geschäftsräumen vom „Holly-Heizwerk“ (Leitungslänge: 5 km) aus mit fernversorgt.